Lehrerinfo

Projektziel

Die Projektgruppe hatte die Aufgabe, eine Problemlösung für einen externen Auftraggeber (WEISSER RING) zu entwickeln: Wie könnte der WEISSE RING, der naturgemäß mehr von älteren Menschen getragen und finanziert wird, eine höhere Aufmerksamkeit bei jüngeren Menschen erreichen?

Die Projektgruppe entwickelte und testete hierzu verschiedene Aktionsformen, die nunmehr als Downloadangebot den Mitarbeitern des WEISSEN RINGS im Netz zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig wurde eine Website geschaffen, die insbesondere junge Menschen anspricht.

Eine zusätzliche Facebook-Seite wurde als Social Media-Kampagnenplattform betrieben, um die aktuellen Projektvorhaben zeitnah zu kommunizieren und die Botschaft des WEISSEN RINGS in jugendnahen sozialen Netzwerken zu multiplizieren. Gleichzeitig ermöglichen soziale Netzwerke eine zumindest emotionale (öffentliche oder gruppenspezifische) Mitwirkung oder zumindest Teilhabe jugendlicher User an dem Projekt.

Zeitraum

Da unsere Bankfachklassen im Blockunterricht beschult werden (3 x einen Monat lang während eines Schuljahres), belief sich die Projektzeit auf drei Monate im Zeitraum von Sep 2012 bis April 2013.

Zeitaufwand

Der Zeitaufwand beläuft sich auf ca. 50 Unterrichtsstunden. Dazu kommen noch viele Stunden außerhalb des Unterrichts bei Projektteilnehmern und Lehrkräften im Rahmen der Projektvorbereitung, Projektdurchführung und Projektnachbereitung.

Da es im Lehrplan von Bankkaufleuten kein Fach Projektunterricht gibt, musste die Projektarbeit in den Stunden erfolgen, die in anderen Fächern ‚freigeschauftelt‘ werden konnten (Kreditgeschäft, Auslandsgeschäft, Sozialkunde, Allgemeine Wirtschaftslehre, Berufliche Kommunikation, Sport). Da es sich zugleich um eine Abschlussklasse handelt, die unmittelbar nach Projektende in die Abschlussprüfung geht, ist die Zeit für Projektarbeit sehr gering und sie muss so effektiv und arbeitsteilig wie irgend möglich verwendet werden.

Nach unseren Erfahrungen schneiden Projektklassen aber trotz ihrer Mehrbelastung bis kurz vor der Prüfung bei der Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer nicht schlechter ab als andere Klassen ohne solche freiwilligen Zusatzprojekte.

Dennoch ist allen unseren Projektklassen hoch anzurechnen, dass sie bereit sind, sich den hohen Anforderungen von Großprojekten im letzten Schuljahr vor ihrer entscheidenden Abschlussprüfung zu stellen.

Finanzierung

Bis auf den öffentlichkeitswirksamen Abschluss-Event fielen nur geringe Kosten an. Die Ausgaben für Flyer- und Plakatdruck sowie die T-Shirts der Standbesatzungen wurden vom Förderverein unsere Schule bestritten.

Die Finanzierung der großen Abschlussaktion war nur durch eine großzügige Sachspende eines Großhandelsunternehmens möglich. Auch ein weiteres Nürnberger Unternehmen unterstützte unser Projekt mit einer äußerst günstigen Preisgetaltung.

Die restlichen Ausgaben übernahm der Förderverein, die notwendige Sachausstattung die Schule.

Da wir im Förderverein unserer Schule immer einen verlässlicher Partner haben, waren die Kosten und vor allem deren Vorfinanzierung letztlich kein Problem. So war es zu verschmerzen, dass wir in diesem Jahr keine Sponsoren für unser Projekt begeistern konnten. Einige Unternehmen hatten zwar anfangs Interesse, konnten sich dann aber leider doch nicht zu einer Unterstützung entschließen.

Projektorganisation / Projektmanagement

Infolge der Zeitknappheit war es nicht möglich mit klassischen Projektstrukturen zu arbeiten (Leitungsgruppe, Dokugruppe + diverse Arbeitsgruppen). Die „Leitung“ bzw. Projektsteuerung erfolgt durch kurze Planungsgespräche und Abstimmungen zu Beginn jedes Projekttermins. Dann bearbeiteten alle Projektgruppen ihren Arbeitsauftrag im Gesamtprojekt autonom.

Einige Projektgruppen behielten ihren Arbeitsauftrag während der gesamten Projektzeit (Webgruppe, Facebookgruppe, Fotogruppe), andere Gruppen erhielten neue Aufträge (die Konzeptgruppe wurde zur Präsentationgruppe und Standgruppe). Dabei veränderten sich auch die Gruppen selbst, da neue Aufgaben hinzukamen (die Fragebogengruppe spaltete sich z.B. in Plakatgruppe und Flyergruppe auf).

Natürlich kam es auch wieder zu Irrwegen, Aktionsideen, die diskutiert und konzipiert, teilweise sogar fertig entwickelt, dann aber wieder verworfen wurden (z.B. ein direktes Anschreiben der Ausbildungsbetriebe durch die Projektgruppe, Interviews mit Opfern, Interviews mit Beratungsstellen, Darstellen von Opfern auf der Website u.v.m.).

Im Durschnitt arbeiteten sieben Gruppen parallel.

Insgesamt könnte man die Projektorganisation als autonome Arbeitsgruppen mit Selbststeuerung der Gesamtgruppe durch tägliche Meilensteinsitzungen (= Projektmanagement) beschreiben.

Dieses System hat sich jetzt schon bei mehreren Projekten bewährt.

Der Lehrer spielt dabei nur in der Kick Off-Phase, in der Vorbereitung und Leitung der Meilensteinsitzungen und als Ansprechpartner und Unterstützer der verschiedenen Projektgruppen eine Rolle.

Entscheidend ist, dass bei diesem Vorgehen jeder Projektteilnehmer zu jedem Zeitpunkt einen Überblick über das Gesamtprojekt haben muss. Mindestens ebenso wichtig ist auch, dass alle Projektergebnisse in einer für jeden verständlichen Form in einem gemeinsamen Laufwerk abgespeichert wird, so dass jeder Projektteilnehmer auf die Vorarbeiten der anderen zugreifen kann. Diese Routine müssen von Anfang an strikt eingehalten werden. Vorteilhaft ist auch, wenn die Projektaufgaben aller Gruppen an jedem Projekttermin in schriftlicher Form an alle Projektteilnehmer verteilt werden.

Dass dieses Vorgehen nur bei Projektteilnehmern funktioniert, die motiviert und autonom handlungsfähig sind, versteht sich von selbst.

Erste Projektskizze zu Beginn des Schuljahres
Projektskizze_Jugendportal_Weisser_Ring.
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Kick-off-Meeting
Projektskizze_Jugendportal_Weisser_Ring_
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Meilensteinsitzung
Meilensteinsitzung.pdf
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Tagesplanung: ToDo-Liste für Arbeitsgruppen
ToDo2101013_Webversion.pdf
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Projektablauf

Nach dem grundsätzlichen Akzeptieren der Projektaufgabe begannen sofort die gemeinsamen Planungen, die Suche nach Lösungen und Überlegungen zum Lösungsweg. Eine Einführung in die Grundsätze von Projektarbeit und Projektmanagement wäre in dieser Phase nur störend und würden die gerade eben mühsam entwickelte Motivation der Teilnehmer für die Projektidee wieder auf Null herunterfahren. Die Prinzipien der Projektarbeit wurden angewendet und umgesetzt, aber im Gesamtprojekt niemals besprochen. Dies ist nach unseren Erfahrungen eigentlich auch nur notwendig, wenn die Projektarbeit stockt oder zu scheitern droht. Dann macht es Sinn, auf einer Meta-Ebene nach Lösungen zu suchen.

Projektmanagement lernt man am Besten durch praktisches Tun und durch die aktive Mitwirkung an größeren Projekten, nicht aber durch Bücher und reine Theorie.

Nach unseren inhaltlichen, organisatorischen und zeitlichen Planungen machten sich dann die Projektgruppen an die Umsetzung. Dabei wurde insbesondere zum Problem, dass uns unsere externen Partner im Stich ließen (z.B. ein Trainer, der einen Selbstverteidigungskurs anbieten sollte) oder von unserem Arbeitstempo überfordert waren (z.B. Anfragen bei Universitäten wurden teilweise erst nach mehreren Monaten beantwortet). Da wir auf externen Input angewiesen waren (z.B. Materialen unseres Auftraggebers für einen Projektstand), stand das Projekt daher im Januar 2013 einmal kurz vor dem Abbruch. Da sich aber alle Projektteilnehmer in einer Abstimmung für die Fortsetzung des Projektes aussprachen, geschah dies nicht. Und ab diesem Zeitpunkt klappte es mit den externen Unterstützungen auch weit besser.

Entscheidend für den Erfolg solcher Großprojekte ist auch, dass die Ziele und Vorhaben des Projektes so breit wie möglich kommuniziert werden (Vorgesetzte, Kollegen, andere Klassen, Ausbildungsbetriebe, Bekannte usw.), da man nur so zu immer neuen Ideen und Problemlösungen kommt. Auch für diese Unterstützung durch Außenstehende ist die größtmögliche Transparenz des Projektfortschritts durch zeitnahe Internetkommunikation sicherlich eher förderlich als hinderlich. Die Offenlegung von Schwierigkeiten im Projektfortschritt schafft eher Vertrauen und fördert in der Regel Unterstützung und Zuspruch. 

Produktdokumentation

Alle Projektbeschlüsse, -vorhaben und –ergebnisse wurden zeitnah auf einer Website und einer Kampagnenseite abgebildet.Die Pojektdokumentation erfolgt somit öffentlich.

Da die Seitenerstellung bei Jimdo oder Wordpress sehr leicht erlernbar ist, empfiehlt es sich, Schüler oder Schülerinnen (achten meist mehr auf Ästhetik) zu nehmen, die noch niemals in ihrem Leben eine Internetseite geschrieben haben.

Die Dokumentation aller internen Zwischenergebnisse erfolgt in einem gemeinsamen Verzeichnis im schulischen Intranet.

Bei früheren Projekten haben wir auch noch einen Webspace bei Mydrive verwendet. Das ist aber nur erforderlich, wenn die Schüler auch außerhalb der Schule auf die Projektdateien zugreifen müssen.

Projekterfahrungen

Die Schüler haben sich nach einigem Zögern zunehmend auf dieses wirklich nicht einfache und zudem doch sehr emotional besetzte Thema Opferschutz eingelassen. Zudem liegt es nicht gerade im normalen Interessens- und Erfahrungsbereich von Jugendlichen. Ganz im Gegenteil: Aktuell bestimmen eher Bericht über brutale Gewalttaten und Gewalttäter die medialen Schlagzeilen. Wichtig für die Akzeptanz des Themas waren dabei der Besuch des Auftraggebers (WEISSER RING) in der Schule und die Vorstellung seiner Arbeit.

Schwieriger als gedacht erwies sich die Zusammenarbeit mit externen Partnern, die uns oft wochenlang auf Antworten warten ließen, womit uns durch unsere zeitlichen Restriktionen (Blockunterricht, Abschlussklasse, eigentlich nur ca. 5 Wochen Zeit im Schuljahr und dies nur in ganz bestimmten Kalenderwochen) zunehmend die Zeit davon lief. Zudem wirkte es für die Schüler demotivierend: Sie sollten sich für andere einsetzen, hatten allerdings zeitweise den Eindruck, dass die anderen daran überhaupt kein großes Interesse daran hatten.

Schwierig war es für manche Schüler anfangs auch zu verstehen und zu akzeptieren, dass ein Projekt in dieser Größe und unter diesen engen zeitlichen Restriktionen nur funktioniert, wenn alle Projektteilnehmer möglichst gleichzeitig und arbeitsteilig tätig sind. Dazu aber ist es notwendig, alle Abläufe vorher zu durchdenken und möglichst gut und effektiv zu strukturieren und zu planen.

Letztlich konnte der Projektauftrag nach einer kurzen Phase des Zweifels aber dann doch noch realisiert werden.

Insbesondere nach 2/3 der Projektzeit erfuhr das Projekt durch viele neue und gute Ideen sogar noch eine ganz neue und eigene Dynamik und führte schließlich zu vielen guten und kreativen Lösungen. In dieser Phase wurden wir dann auch von unseren externen Partner sehr gut unterstützt, so wie wir uns dies von Anfang an erhofft hatten.

Auch dieses Projekt ist wieder ein Beleg dafür, dass man in einer relativ kurzer Zeitspanne, mit relativ geringem Zeitaufwand und nahezu ohne Projektmittel aus einer bloßen Idee oder Fragestellung („Wie könnte man den WEISSEN RING bei Jugendlichen besser „verkaufen“?) doch recht kreative und beeindruckende Lösungen entwickeln kann.

Entscheidend sind letztlich immer a) eine gute und durchdachte Projektorganisation und b) das Engagement, die Kreativität und die Motivation der Teilnehmer.

Dass Schulleitung, Kollegen und Förderverein und vorgesetzte Dienststellen das Projekt unterstützen sei an dieser Stelle als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt.

Im Bereich Projektorganisation setzt eigentlich auch die einzige Kritik an der Projektgruppe an: Einige Projektmitglieder haben bis zum Schluss nicht ganz realisiert, dass man sich mit einem Vordenken, Vorbesprechen und präzisem Vorplanen von Handlungsabläufen viele Folgeprobleme ersparen und die Effektivität der eigenen Arbeit enorm steigern kann. Die Haltung "kein Problem, wir machen das schon!" reichte aus, um Infostände und Präsentationen erfolgreich zu managen, stieß jedoch bei unserem Mega-Event an Grenzen. Hier wären eine noch bessere Steuerung der Teilnehmer der Menschenkette und noch bessere Fotos und Videos möglich gewesen. Andererseits waren einige Projektmitglieder geradezu vorbildlich. Sie dachten mit, brachten eigene Ideen ein und lösten viele Aufgaben völlig selbständig. Daher ist die Kritik schon auf sehr hohem Niveau angesiedelt und am Maßstab der Perfektion orientiert.

Ergebnispräsentation und Abschlussbericht

Auf eine klassische Präsentation der Projektergebnisse vor dem Auftraggeber wurde dieses Mal verzichtet. Die Projektpräsentation erfolgt dieses Mal durch eine öffentlichkeitswirksame Aktion und über die Medienresonanz dieser Aktion.

Außerdem wurde der Auftraggeber durch unsere Internetseiten fortlaufend über alle Arbeitsergebnisse informiert und war damit permanent auch in unsere Arbeit eingebunden. Damit war auch ein gesonderter Abschlussbericht entbehrlich.

Im Übrigen bestand die Projektaufgabe ja darin, für den WEISSEN RING jugendspezifische Angebote zu entwickeln, die vom Auftraggeber dann dauerhaft verwendet werden können. All diese Aktionsvorschläge stehen im Internet zusammen mit unseren diesbezüglichen Erfahrungen kommentiert zum Download bereit (Rubrik „Aktionen“).

  

Evaluation des Projekterfolges

Die Projektziele sollten präzisiert und operationalisiert sein. Dann kann man die Zielerreichung auch problemlos und pragmatisch bewerten.

Im vorliegenden Fall gab es vier Kriterien für den Projekterfolg:  

  1. die Entwicklung und Erprobung gelungener Aktionen,
  2. die Bereitstellung dieser Aktionsvorschläge auf einer Website,
  3. Google Seite 1 unter „projekt weisser ring“ und
  4. mindestens ein Zeitungsartikel in der regionalen Presse.

Die vier Ziele wurden erreicht.

Zumindest einen Zeitungsartikel und ein entsprechendes Google-Ranking streben wir inzwischen bei jedem Projekt an. Dazu können dann je nach Projektinhalt noch ein oder zwei weitere Zielsetzungen kommen.

Evalutation der Projektwirksamkeit

Dass Schülerprojekte bei den Projektteilnehmern etwas bewirken, habe ich schon oft selbst erleben dürfen (am spektakulärsten am Beispiel einer 10. Großhandelsklasse, die für drei arbeitslose Jugendliche eine Lehrstelle suchen wollte). Nichtsdestoweniger macht es über das eigene Erleben hinaus Sinn, dies am Ende eines Projektes auch zu erfragen (möglichst nicht nur in Form reiner Selbstbekundungen der Befragten!).

 

Da Projekte vielfach aber auch darauf gerichtet sind, bei anderen Menschen etwas zu bewirken ("Beratung" anderer Schüler hinsichtlich von KFZ-Versicherungen, Marketingkonzept für eine Fahrschule etc.), ist es sinnvoll und spannend zugleich, den Erfolg der Projektmaßnahmen bei diesen Adressaten zu untersuchen: Haben die "beratenen" Schüler etwas gelernt? Haben sie ihr Verhalten geändert? Haben sie nun eine andere Einstellung zu bestimmten Sachverhalten, Unternehmen oder Personen usw.

 

Es ist die Frage nach der "Wirksamkeit" eines Projektes. Eine solche Untersuchung ist leichter, wenn sie sich auf den Erwerb von Wissen bezieht. Weitaus schwieriger ist es, Einstellungs- doer Verhaltensänderungen abzufragen, da oftmals die Selbstbekundungen der Befragten nicht ganz der Wahrheit entsprechen oder zumindest "geschönt" sind. Daher ist es i.d.R. nötig, auch "Fangfragen" einzubauen oder zusätzlich noch eine Vergleichsgruppe zu befragen, die nicht an dem Projekt teilgenommen hat.

   

Empfehlung: dreidimensionale Projektevaluation

Schulische Projektarbeit sollte neben der Präsentation und Veröffentlichung des Projektergebnisses auch immer das kritische Hinterfragen des Erreichten versuchen. Und da Projekte ja viel Mühe machen, sollten ihre Ergebnisse auch langfristig genutzt werden.

 

Eine Evaluation von Schulprojeken sollte daher im Idealfall drei Dimensionen beinhalten:

 

1. Projekterfolg: Hat das Projekt seine selbst gesteckten Ziele erreicht? Wenn nicht, warum nicht?

2. Projektwirksamkeit: Hat das Projekt etwas bewirkt? Haben sich das Wissen, die Einstellungen und das Verhalten der Projektadressaten zum Positiven verändert?

3. Projektnachhaltigkeit: Hat das Projekt sein Wissen und seinen Erfahrungsschatz an andere Menschen weiter gegeben? Haben sich aus dem Projekt weitere Projekte entwickelt? Arbeiten spätere Schülergenerationen mit den Projektergebnissen?

 

Wichtig dabei ist, die späteren Evaluationsschritte von Anfang an in die Projektplanung und –umsetzung einbeziehen. Geschieht dies erst im Nachhinein, werden diese Arbeiten als überflüssige Belastungen empfunden und nur widerwillig ausgeführt. Die Evaluation wird dann nur pro forma durchgeführt oder gänzlich scheitern. 

 

Ein schönes Anwendungsbeispiel stellt das Projekt "Nachhaltige Geldanlagen" dar. 

   

Grafik: Die drei Dimensionen der Projektevaluation: Projekterfolg, Projektwirksamkeit und Projektnachhaltigkeit
Die drei Dimensionen der Projektevaluation

   

Die leidige Frage der Noten

Auch bei diesem Projekt stand die Frage der Noten im Hintergrund. Es geht darum, Schüler dauerhaft für ein Projekt und seine Idee zu begeistern. Dann arbeiten auch engagiert, selbsttätig und kreativ mit.

Erst wenn dies sichergestellt ist, sollte man sich Gedanken über Noten, Zeugnisbemerkungen oder Zertifikate machen.

Im vorliegenden Fall erhielten die Schüler Noten für das Fach Berufliche Kommunikation (vergleichbar mit Deutsch), das von einer Kollegin unterricht wird. Noten wurden, soweit Leistungen dafür bestanden, in drei Kategorien erteilt:

- Kategorie 1: Mündliche Kommunikation (Präsentationen, Vorträge, Interviews geben für Videos, gesprochene Texte für Audiodateien, Lautsprecherdurchsagen in der Schule usw.)

- Kategorie 2: Schriftliche Kommunikation (Berichte, Webseitentexte, Facebooktexte, Gestaltung von Plakaten, Flyern und Logos, Webseitenerstellung, aktive Betreuung von Internetforen, Briefe an Ausbildungsbetriebe, Schreiben an Lehrer, Briefe und Mails an externe Projektpartner, Gestaltung von Pinwänden usw.)

- Kategorie 3: Projektengagement (überdurchschnittliche selbstständige Aktivitäten für das Projekt, selbstständiges und unaufgefordertes Entwickeln und Einbringen von tollen Ideen und Vorschlägen, selbsttätiges Achten auf und Vermeiden von Projektproblemen, selbstständiges Verhandeln mit Unternehmen und Sponsoren usw.)

Die Schüler können also durch die Projektarbeit maximal drei Noten erhalten.

Alle Noten wurden nach 2/3 des Projektes in einem Gespräch mit jeder Projektgruppe bzw. einzelnen Projektteilnehmern festgelegt und begründet (und ggfs. nach Projektende noch einmal ergänzt).

Die Basis hierfür waren:

- meine persönlichen subjektiven Eindrücke als Projektbetreuer

- der Bericht und die Darstellung der bisher geleisteten Arbeit der jeweiligen Arbeitsgruppe bzw. des einzelnen Projektteilnehmers (Vorzeigen, Beschreiben und Begründen der Arbeitsschritte und Entscheidungen anhand der Dateien im Projektlaufwerk, der Webseite und Facebookseite, vergleichbar mit der Portfolio-Methode).

Dieses System hat sich bewährt.

Entscheidend ist, dass die Schüler frühzeitig wissen, wofür sie Noten erhalten werden, dass man ihnen schon vorher laufend ein Feedback über die Einschätzung ihrer Arbeit gibt und dass man sie durch eine Diskussion und Begründung der Notengebung in der Arbeitsgruppe in die Notenbildung mit einbezieht. Akzeptanzprobleme treten dann in 99% der Fälle nicht auf.

Der Wunsch vieler Kollegen (und vorgesetzten Dienststellen) nach noch detaillierteren und objektiveren Beurteilungsrastern ist zwar verständlich, führt aber m.E. zu keinen besseren Lösungen und Ergebnissen. Das Problem bei komplexen Beurteilungsschemata ist vielfach, dass man den einzelnen Schülern oder Gruppen bei vielen Kriterien keine Noten geben kann. Nicht jeder präsentiert, nicht jeder schreibt. Man hat auf der einen Seite eine Orgagruppe, die eine Veranstaltung organisiert, eine Präsentationsgruppe, die sich vor die Zuhörer hinstellt und redet, und eine Foto-, Doku-, Presse-, Web- oder Facebookgruppe, die nur schreibt. Wie soll man diese Leistungen gleichwertig und gerecht bewerten?

Den Aufwand kann man sich also m.E. sparen. Die drei o.g. Kriterien decken alle Projektarbeiten ab und belohnen zugleich die Schüler, die in mehreren Projektteilen aktiv waren.

Positiver sehe ich eine Selbstbeurteilung der Schüler in der Gruppe als Bestandteil der Projektnote. Dies habe ich schon mit Erfolg praktiziert.

Praktikabel wäre m.E. auch die Erreichung der Projektziele (vgl. Projektevaluation) als Bewertungsmaßstab. Allerdings hängt diese Zielerreichung (z.B. Zeitungsartikel oder Google-Ranking der Projektwebsite) oftmals von externen Faktoren ab, die die Projektgruppe nur eingeschränkt beeinflussen kann.

Wesentlich wichtiger als eine komplexe Notenbildung ist ausmeiner Sicht die Nachhaltigkeit des Projektes. Ein Projekt ist nicht mit der Abschlusspräsentation beendet. Man muss noch alle Daten vernünftig abspeichern, alle Fotos und Berichte von der Abschlusspräsentation ins Netz stellen, man sollte Erfahrungsberichte für spätere Berichte schreiben, man sollte Bedienungsanleitungen für Software und Hardware für spätere Schülergenerationen anfertigen usw. Diese Selbstevaluation durch einen sauberen, bewussten und aktiven Projektabschluss und die Vollständigkeit aller Abschlussarbeiten erachte ich für die Projektteilnehmer weit wichtiger als eine formale Notengebung, von der Bedeutung für spätere Projekte sowie die Außendarstellung der Schule ganz zu schweigen.

Zusätzlich erhalten die Projektteilnehmer von mir noch eine Zeugnisbemerkung und ein Zertifikat, beides allerdings nur, wenn das Projekt wirklich überdurchschnittlich war.

   

Linkempfehlungen / Hilfen / Hintergrundinfos

Handreichungen für Lehrkräfte zur Projektarbeit

(wird inzwischen sogar von Google unter "Projektunterricht" als Weblink empfohlen!)

http://www.kubiss.de/bildung/projekte/schb_netz/ipro.htm

 

Weitere Internet-Projekte der Berufsschule 4 Nürnberg:

http://www.kubiss.de/bildung/projekte/schb_netz/b4_projekte/schueler/index.htm

 

Lernstationen mit Online-Test zu den Gefahren im Netz und in sozialen Netzwerken:

http://netzchecker.wordpress.com/test/

 

Link zum WEISSEN RING:

Weisser Ring Außenstelle Nürnberger Land

 

Aktuelle Facebook-Diskussion beim WEISSEN RING:

Facebook-Seite des WEISSEN RINGS


Aktuelle Vorfälle auf der Seite des WEISSEN RINGS Kulmbach

Facebook-Seite des WEISSEN RINGS Kulmbach

 

Literaturempfehlung

Endler / Kührt / Wittmann; Projektarbeit - Projektkompetenzen handlungsorientiert erlernen, Ein Handbuch für Schüler, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2010

 

Kührt, Peter; Projektwirksamkeit als neue Evaluationsdimension, in: Erziehungswissenschaft und Beruf, Merkur Verlag, Heft 2/2014

 

(Verfasser von "Lehrerinfo": Dr. Peter Kührt, Berufsschule 4 Nürnberg, Abteilung Kreditwirtschaft; vgl. Impressum)

 

 

Dr. Peter Kührt, Projektbetreuer Projekt "Hilfe für die Helfer" Berufsschule 4 Nürnberg 2012
Dr. Peter Kührt, Projektbetreuer Projekt "Hilfe für die Helfer" Berufsschule 4 Nürnberg 2012